Pflegeheim Kosten Österreich: Was Sie wirklich zahlen

Die Kosten für ein Pflegeheim in Österreich betragen häufig mehrere tausend Euro pro Monat und hängen von Bundesland, Träger und Pflegebedarf ab. Was die pflegebedürftige Person tatsächlich selbst zahlt, bestimmen vor allem Pension und Pflegegeld, denn diese werden zuerst zur Deckung der Heimkosten herangezogen. Reicht das Einkommen nicht, übernimmt die Sozialhilfe die Differenz. Das Vermögen von Angehörigen bleibt seit 2018 unangetastet. Dieser Artikel erklärt, wie die Heimkosten zusammengesetzt sind, wer sie zahlt und wie ein Pflegeheim im Vergleich zur 24-Stunden-Betreuung zuhause abschneidet.

Wie setzen sich die Pflegeheimkosten zusammen?

Das österreichische System unterscheidet sich grundlegend vom deutschen — es gibt keine einheitliche Pflegekasse, die einen fixen Betrag übernimmt. Pflegeheime rechnen in Österreich nach einem Tagsatz ab. Das Heimentgelt besteht laut oesterreich.gv.at in der Regel aus einem Grundbetrag und einem Zuschlag, der sich am Pflegebedarf orientiert.

Tagsatz × Anzahl Tage im Monat = Heimkosten pro Monat

Die Höhe der Tagsätze variiert je nach Bundesland, Träger und Einrichtung erheblich. Zur Veranschaulichung rechnen wir mit einem angenommenen Tagsatz von 160 Euro: Bei 30 Tagen ergibt das 4.800 Euro pro Monat. Vor der Entscheidung für ein Heim lohnt sich ein direkter Vergleich mehrerer Einrichtungen in der gewünschten Region.

Pflegeheim Kosten in Niederösterreich: amtliche Tarife

Für Niederösterreich liegt eine amtliche Tarifliste vor. Laut Land NÖ gliedern sich die Tarife der NÖ Pflegeeinrichtungen in einen Grundtarif für die Regelleistungen (Wohnen, Essen, Reinigen, Wäsche) und einen Pflegezuschlag in sieben Stufen. Der Pflegezuschlag ist in allen NÖ Pflegeeinrichtungen gleich hoch. Die Grundtarife 1 bis 3 gelten laut Tarifliste 2026 entsprechend dem baulichen Ausstattungsstandard der Einrichtung. Im Grundtarif ist ein Investitionskostenzuschuss von 12,43 Euro enthalten. Der Pflegezuschlag wird zusätzlich zum Grundtarif verrechnet.

NÖ Pflegeheime Tarifliste 2026: Grundtarif pro Tag
GrundtarifEuro pro Tag
Grundtarif 195,52 €
Grundtarif 297,83 €
Grundtarif 3101,87 €
NÖ Pflegeheime Tarifliste 2026: Pflegezuschlag pro Tag
ZuschlagEuro pro Tag
Stufe 17,58 €
Stufe 213,68 €
Stufe 321,84 €
Stufe 451,07 €
Stufe 581,55 €
Stufe 6107,57 €
Stufe 7162,32 €

Rechenbeispiel (Tarifliste NÖ, Stand 2026): Grundtarif 1 (95,52 €) plus Zuschlag Stufe 4 (51,07 €) ergibt 146,59 Euro pro Tag, bei 30 Tagen rund 4.398 Euro pro Monat. Das ist ein Beispiel aus der Tarifliste, kein Durchschnitt und keine Aussage über ein bestimmtes Heim.

Salzburg legt per Verordnung Tarifobergrenzen für Sozialhilfefälle fest. Für die übrigen Bundesländer nehmen wir hier keine Werte auf, fragen Sie beim Heim nach dem konkreten Tagsatz. Das Rechenbeispiel mit 160 Euro weiter unten bleibt eine Annahme.

Altersheim, Altenheim, Pflegeheim: Was ist der Unterschied?

„Altersheim“ und „Altenheim“ sind umgangssprachliche Begriffe für Wohneinrichtungen für ältere Menschen. Wenn Pflege rund um die Uhr nötig ist, spricht man in der Regel von einem Pflegeheim. Die Kosten richten sich in beiden Fällen nach Einrichtung, Träger und Pflegebedarf. Eine Seniorenresidenz ist meist ein privates Wohnangebot, dessen Kosten sich anders zusammensetzen können; die Konditionen sollten Sie direkt beim Anbieter erfragen und nicht pauschal mit dem Tagsatz eines Pflegeheims vergleichen.

Wer zahlt die Pflegeheimkosten?

Zuerst werden Pension und Pflegegeld der pflegebedürftigen Person zur Deckung der Heimkosten herangezogen. Ein Teil bleibt als Taschengeld erhalten: laut oesterreich.gv.at 20 Prozent der Pension samt Sonderzahlungen und 10 Prozent des Pflegegeldes der Stufe 3 pro Monat. Reicht das Einkommen nicht aus, übernimmt die Sozialhilfe des jeweiligen Bundeslandes die restlichen Kosten.

Ein vereinfachtes Beispiel mit Pflegestufe 4 (Pflegegeld 888,50 Euro), einer Pension von 1.400 Euro und einem Tagsatz von 160 Euro bei 30 Tagen (Sonderzahlungen nicht berücksichtigt, Modellrechnung):

Die genauen Regelungen sind Ländersache und können abweichen. Mehr zu den Pflegegeld-Beträgen finden Sie im Überblick Pflegestufen und Pflegegeld, Details zu Pflegestufe 4 unter Pflegestufe 4 in Österreich.

Zahlen Angehörige mit?

Auf das Vermögen von Kindern und anderen Angehörigen darf seit 1. Jänner 2018 nicht mehr zugegriffen werden. Was der Pflegeregress war und was heute gilt: Pflegeregress Österreich.

Pflegeheim vs. 24-Stunden-Betreuung: Was ist günstiger?

Als Richtwert für einen Vergleich bei Pflegestufe 4 und einer Pension von 1.400 Euro:

Vergleich Pflegeheim und 24-Stunden-Betreuung zuhause (Modellrechnung, Pflegestufe 4)
Pflegeheim24-Stunden-Betreuung zuhause
Bruttokosten pro Monat4.800 € (Tagsatz 160 €)ca. 3.100 € (selbstständiges Rotationsmodell)
Öffentliche UnterstützungSozialhilfe: 2.850,76 €Förderung: 800 €
Pflegegeld (888,50 €)fließt in die Heimkostenwird von den Kosten abgezogen
Beitrag der Person1.949,24 € aus Pension und Pflegegeldrund 1.411,50 € Nettobelastung

Die Beträge sind nicht direkt vergleichbar: Im Pflegeheim sind Unterkunft, Verpflegung und Betreuung im Heimentgelt enthalten, bei der Betreuung zuhause kommen Wohn- und Lebenshaltungskosten hinzu. Außerdem hängen beide Modelle vom Einzelfall ab. Der entscheidende Unterschied ist nicht nur der Preis, sondern auch die Lebensqualität: zuhause bleiben in vertrauter Umgebung oder Umzug in eine Einrichtung. Einen Überblick über die Kosten der Betreuung zuhause gibt der Artikel Kosten der 24-Stunden-Pflege, den Einstieg in das Modell der Ratgeber 24-Stunden-Pflege in Österreich.

Was Sie in Ihrer konkreten Situation für die 24-Stunden-Betreuung zuhause nach Förderung und Pflegegeld zahlen würden, zeigt Ihnen unser 24-Stunden-Pflege Kostenrechner. Optional lässt sich dort ein Pflegeheim-Vergleich zuschalten.

Zum Pflegekosten-Rechner →

Häufige Fragen

Müssen Kinder für die Pflegeheimkosten der Eltern aufkommen?
Seit der Abschaffung des Pflegeregresses 2018 darf auf das Vermögen von Kindern und Angehörigen nicht mehr zugegriffen werden. Wenn das Einkommen der pflegebedürftigen Person nicht ausreicht, springt die Sozialhilfe des jeweiligen Bundeslandes ein.
Wer zahlt die Kosten für ein Altersheim oder Pflegeheim?
Zuerst werden Pension und Pflegegeld der Bewohnerin oder des Bewohners herangezogen, ein Teil bleibt als Taschengeld erhalten. Reicht das Einkommen nicht aus, übernimmt die Sozialhilfe des Bundeslandes die Differenz.
Was bleibt mir als Taschengeld im Pflegeheim?
Ein Teil von Pension und Pflegegeld bleibt als Taschengeld, die Prozentsätze und ein Rechenbeispiel stehen im Abschnitt Wer zahlt die Pflegeheimkosten?. Die genaue Regelung kann je nach Bundesland abweichen.
Was ist der Unterschied zwischen einem öffentlichen und einem privaten Pflegeheim?
Öffentliche und gemeinnützige Heime werden von Ländern, Gemeinden oder Wohlfahrtsorganisationen betrieben. Die Tagsätze unterscheiden sich je nach Träger und Einrichtung, ein direkter Vergleich mehrerer Heime lohnt sich.
Kann das Pflegegeld für die Heimkosten verwendet werden?
Ja — das Pflegegeld wird gemeinsam mit der Pension zuerst zur Deckung der Heimkosten herangezogen. Ein gesetzlich geschützter Betrag verbleibt als Taschengeld bei der Bewohnerin oder dem Bewohner.
Ab welcher Pflegestufe kommt man ins Pflegeheim?
Die Aufnahmevoraussetzungen regeln die Länder. Die tatsächliche Aufnahme hängt vom konkreten Heim und dem individuellen Pflegebedarf ab.

Quellen

Quellen geprüft am: 3. Oktober 2026. Die Angaben dienen der allgemeinen Orientierung. Maßgeblich sind die Voraussetzungen und Entscheidungen der zuständigen Stelle im Einzelfall.