Pflegestufe 4 Österreich: Pflegegeld, Angehörigenbonus und 24-Stunden-Betreuung

Pflegestufe 4 markiert in Österreich eine zweite wichtige Schwelle — zusätzlich zur 24h-Betreuungsförderung, die bereits ab Pflegestufe 3 zugänglich ist, kann Stufe 4 unter weiteren Voraussetzungen den Zugang zum Angehörigenbonus (134,30 Euro/Monat) für nahe Angehörige ermöglichen. Das Pflegegeld steigt auf 888,50 Euro pro Monat. Dieser Artikel erklärt was Pflegestufe 4 konkret bedeutet, welche zusätzlichen Leistungen zugänglich werden und was das für die Finanzierung der Pflege bedeutet. Für Ihre Situation lässt sich die Nettobelastung bei Pflegestufe 4 berechnen.

Was bedeutet Pflegestufe 4?

Pflegestufe 4 wird zuerkannt wenn der monatliche Pflegebedarf mehr als 160 Stunden beträgt. Das entspricht einem sehr hohen, dauerhaften Unterstützungsbedarf — die pflegebedürftige Person braucht bei fast allen Alltagsverrichtungen Hilfe. Bei mehr als 180 Stunden monatlichem Pflegebedarf wird geprüft ob Stufe 5 (außergewöhnlicher Pflegeaufwand) oder weiterhin Stufe 4 zutrifft.

Pflegestufe 4 Voraussetzungen in Österreich

Für Pflegestufe 4 müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

Die allgemeinen Voraussetzungen zu Dauer und Antrag erklärt der Ratgeber Pflegegeld Österreich, den Ablauf finden Sie unter Pflegegeld beantragen. Für den Angehörigenbonus und die 24h-Betreuungsförderung gelten dagegen eigene Voraussetzungen, die weiter unten erklärt werden.

Pflegegeld Stufe 4: Wie viel Geld gibt es? 888,50 Euro pro Monat

Das Pflegegeld der Stufe 4 beträgt seit 1. Jänner 2026 888,50 Euro pro Monat (Valorisierung +2,7 % gegenüber 2025, Quelle: BMSGPK). Es ist steuerfrei und wird als pauschaler Beitrag zu den Pflegekosten gezahlt. Die Grundlagen zum Pflegegeld finden Sie im Ratgeber Pflegegeld Österreich.

Neu ab Pflegestufe 4: Der Angehörigenbonus

Ab Pflegestufe 4 kann für nahe Angehörige unter weiteren Voraussetzungen ein Angehörigenbonus von 134,30 Euro pro Monat (2026) zustehen. Das ist eine finanzielle Anerkennung für Personen, die nahe Angehörige überwiegend zuhause betreuen. Voraussetzungen:

Der Angehörigenbonus ist steuerfrei und unpfändbar. Er wird nicht auf Ausgleichszulage, Hinterbliebenenleistungen oder Mindestsicherung angerechnet. Alle Details im Artikel zum Angehörigenbonus.

24h-Betreuungsförderung bei Pflegestufe 4

Die staatliche 24h-Betreuungsförderung gilt bereits ab Pflegestufe 3 — bei Stufe 4 läuft sie unverändert weiter. Wie bei Stufe 3 ist die Notwendigkeit einer 24-Stunden-Betreuung gesondert durch das Sozialministeriumservice festzustellen. Die Entscheidung erfolgt auf Basis des zuletzt erstellten Pflegegeldgutachtens.

Was das für die Familie konkret bedeutet

Beispiel für Pflegestufe 4 (selbstständiges Rotationsmodell, Einkommen unter 2.500 Euro):

Bruttokosten Betreuung
3.100,00 €
24h-Betreuungsförderung
− 800,00 €
Pflegegeld Stufe 4
− 888,50 €
Nettobelastung der Familie
1.411,50 €

Gegenüber Pflegestufe 3 (Nettobelastung ca. 1.707 €) spart Stufe 4 der Familie rund 300 Euro pro Monat durch das höhere Pflegegeld.

Pflegestufe 4 und Pflegeheim

Bei Pflegestufe 4 kann ein vollstationärer Pflegeheimplatz in Frage kommen. Welche Voraussetzungen für die Aufnahme gelten, hängt von der Einrichtung und vom Bundesland ab. Das Pflegegeld fließt im Heim als Pflegezuschlag in die Heimkosten ein. Ob die 24-Stunden-Betreuung zuhause oder das Pflegeheim günstiger ist, hängt von der individuellen Situation ab — unser Rechner zeigt den direkten Vergleich, Details zu den Kosten finden Sie im Artikel Pflegeheim Kosten Österreich. Auf das Vermögen der pflegebedürftigen Person und ihrer Angehörigen darf zur Deckung der Heimkosten seit 1. Jänner 2018 nicht mehr zugegriffen werden, Details unter Abschaffung des Pflegeregresses.

Berechnen Sie Ihre Nettokosten

Zum Pflegekosten-Rechner →

Häufige Fragen

Wie viele Stunden Pflege sind bei Pflegestufe 4 nötig?
Für Pflegestufe 4 braucht es einen Pflegebedarf von mehr als 160 Stunden pro Monat — das entspricht über 5 Stunden pro Tag. Bei Demenz werden 45 Stunden Erschwerniszuschlag hinzugerechnet. Bei mehr als 180 Stunden und außergewöhnlichem Pflegeaufwand kommt Pflegestufe 5 in Betracht.
Wie viel Geld gibt es bei Pflegestufe 4?
Bei Pflegestufe 4 sind es 888,50 Euro pro Monat (Stand 1. Jänner 2026). Ausgezahlt wird es zwölfmal jährlich; es ist steuerfrei und hängt nicht von Einkommen oder Vermögen ab. Zusätzlich kann unter weiteren Voraussetzungen der Angehörigenbonus von 134,30 Euro zustehen.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegestufe 4 und Pflegegrad 4?
Pflegegrade gibt es nur in Deutschland. Die österreichische Pflegestufe 4 setzt einen Pflegebedarf von mehr als 160 Stunden pro Monat voraus. Den Unterschied der Begriffe erklärt der Ratgeber Pflegestufen Österreich.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegestufe 4 und Pflegestufe 5?
Ab Pflegestufe 5 kommen zusätzlich zu den quantitativen Kriterien (mehr als 180 Stunden) qualitative Kriterien hinzu: ein außergewöhnlicher Pflegeaufwand muss vorliegen, der dauernde Bereitschaft erfordert. Das Pflegegeld steigt auf 1.206,90 Euro pro Monat. Details finden Sie im Artikel zu Pflegestufe 5; die höheren Stufen erklären Pflegestufe 6 und Pflegestufe 7. Alle Stufen im Überblick über alle Pflegestufen in Österreich.
Bekomme ich den Angehörigenbonus automatisch wenn Stufe 4 zuerkannt wird?
Nein, nicht in jedem Fall. Pflegende Angehörige, die in der Pensionsversicherung selbst- oder weiterversichert sind, erhalten den Bonus automatisch. Alle anderen müssen ihn aktiv beantragen — beim Pensionsversicherungsträger der das Pflegegeld auszahlt. Welche Fälle das betrifft, erklärt unser Artikel zum Angehörigenbonus.
Kann man von Stufe 4 auf Stufe 3 zurückgestuft werden?
Ja. Verringert sich der Pflegebedarf nachweislich, etwa bei einer Kontrollbegutachtung, kann der Versicherungsträger die Einstufung senken. Gegen den Bescheid können Sie klagen. Frist und Ablauf: Pflegegeld beantragen.

Quellen

Quellen geprüft am: 9. September 2026. Die Angaben dienen der allgemeinen Orientierung. Maßgeblich sind die Voraussetzungen und Entscheidungen der zuständigen Stelle im Einzelfall.