24-Stunden-Pflege ohne Agentur organisieren

Eine 24-Stunden-Pflege ohne Agentur zu organisieren ist in Österreich grundsätzlich möglich. Familien können die Betreuung selbst organisieren, statt eine Vermittlungsagentur zu beauftragen. Dafür müssen sie jedoch je nach Modell Aufgaben wie die Suche nach einer Betreuungskraft, Vertragsabsprachen, Vertretungen und die laufende Organisation selbst übernehmen.

Rechtlich geht es meist um 24-Stunden-Betreuung beziehungsweise Personenbetreuung, im Alltag wird oft von 24-Stunden-Pflege gesprochen (mehr dazu im Überblick 24-Stunden-Pflege in Österreich). Dieser Artikel zeigt, welche Modelle ohne Agentur möglich sind, was Familien privat selbst organisieren müssen und wann eine Agentur trotzdem entlasten kann.

Kann man 24-Stunden-Pflege ohne Agentur organisieren?

Ja. Eine Agentur ist nicht zwingend vorgeschrieben. Familien können eine Betreuungskraft selbst finden und die Zusammenarbeit direkt organisieren. In der Praxis kommen vor allem zwei Modelle infrage:

Welche Lösung passt, hängt unter anderem davon ab, wie viel Organisation die Familie selbst übernehmen kann, wie zuverlässig eine Vertretung verfügbar ist und welches Betreuungsmodell finanziell sowie organisatorisch tragbar ist.

Warum Familien ohne Agentur organisieren

Ein häufiger Grund sind die laufenden Vermittlungs- und Betreuungspauschalen. Je nach Agentur können diese zusätzlich zu den Kosten der Betreuungskraft anfallen. Wenn eine Familie bereits eine passende Betreuungsperson kennt oder selbst findet, kann sie die Zusammenarbeit auch direkt organisieren.

Ohne Agentur entfällt jedoch nicht die Organisation selbst. Familien übernehmen dann Aufgaben, die eine Agentur häufig unterstützt: Kommunikation, Dokumente, Vertragsabsprachen, Wechseltermine und die Suche nach Ersatz bei Ausfall.

Wo finden Sie eine Betreuungskraft ohne Agentur?

Ohne Agentur läuft die Suche über das eigene Umfeld: Empfehlungen aus der Familie oder dem Bekanntenkreis, Betreuungskräfte, die bereits Erfahrung in der Region haben, oder eine Beratung durch Gemeinde, Land oder Pflegeberatungsstellen. Unabhängig davon, woher die Betreuungskraft kommt, bleiben die Grundfragen dieselben: Ist sie selbstständig tätig oder angestellt, liegt ein Qualifikationsnachweis vor und sind Vertrag und Meldungen geklärt?

Wer eine Förderung beantragen möchte, sollte dafür den Ausbildungsnachweis oder die Pflegeermächtigung der Betreuungskraft bereithalten. Wie eine selbstständige Tätigkeit in Österreich angemeldet wird, klären Sie am besten vor Beginn mit der Wirtschaftskammer.

Modell 1: Selbstständige Personenbetreuung

Bei diesem Modell arbeitet die Betreuungskraft selbstständig als Personenbetreuerin oder Personenbetreuer. Sie ist nicht bei der betreuten Person angestellt, sondern erbringt ihre Leistungen auf Basis einer direkten Vereinbarung.

Dieses Modell ist in der Praxis verbreitet, weil die laufende Abwicklung meist einfacher ist als bei einer direkten Anstellung. Trotzdem sollten Familien vor Beginn der Betreuung prüfen, ob die erforderlichen Unterlagen, Meldungen, Versicherungen und vertraglichen Vereinbarungen vorhanden sind.

Was Familien selbst organisieren

Vorteile

Herausforderungen

Mehr zu Verträgen, Aufgabenverteilung und praktischen Prüfpunkten finden Sie unter Rechte und Pflichten bei der 24-Stunden-Betreuung.

Modell 2: Betreuungskraft direkt anstellen

Bei einer direkten Anstellung wird die Betreuungskraft als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer beschäftigt. Die Familie beziehungsweise die anstellende Person übernimmt damit die Rolle als Arbeitgeber.

Für die 24-Stunden-Betreuung gelten besondere rechtliche Rahmenbedingungen. Das Hausbetreuungsgesetz regelt wichtige Aspekte bei Betreuungsverhältnissen im Privathaushalt. Für die konkrete Umsetzung können eine Lohnverrechnung oder eine fachliche Beratung sinnvoll sein.

Typische Arbeitgeberaufgaben

Vorteile

Herausforderungen

Agentur oder Selbstorganisation?

Ob eine Agentur sinnvoll ist, hängt weniger von einem pauschal „besseren“ Modell ab als von den Ressourcen der Familie. Selbstorganisation kann gut funktionieren, wenn bereits Vertrauen zur Betreuungskraft besteht, Angehörige erreichbar sind und bei einem Ausfall rasch eine Vertretung organisiert werden kann.

Eine Agentur kann dagegen entlasten, wenn Familien Unterstützung bei der Suche, beim Wechsel der Betreuungskräfte, bei Dokumenten oder bei kurzfristigem Ersatz brauchen. Die zusätzlichen Kosten sollten deshalb dem Zeitaufwand, dem Organisationsrisiko und dem gewünschten Unterstützungsumfang gegenübergestellt werden.

Kosten ohne Agentur: Was kann entfallen?

Ohne Agentur können laufende Vermittlungs- oder Betreuungspauschalen entfallen, die je nach Anbieter bei etwa 100 bis 300 Euro pro Monat liegen. Die Vergütung der Betreuungskraft, Reise- und Wechselkosten sowie gegebenenfalls Kosten für Vertretungen bleiben jedoch bestehen.

Die grundsätzlichen Kosten der 24-Stunden-Betreuung erklärt der Artikel Kosten der 24-Stunden-Betreuung in Österreich. Informationen zu Voraussetzungen, möglichen Förderungen und Anträgen finden Sie unter Förderung der 24-Stunden-Betreuung. Wer in Niederösterreich lebt, findet zusätzliche Möglichkeiten im Artikel 24-Stunden-Pflege in Niederösterreich.

Unser Rechner hilft Ihnen, die geschätzte monatliche Nettobelastung anhand des Betreuungsmodells, des Pflegegeldes und einer möglichen Förderung einzuordnen.

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Checkliste vor dem Start

Häufige Fragen

Ist 24-Stunden-Pflege ohne Agentur legal?
Ja. Eine Agentur ist nicht verpflichtend. Entscheidend ist, dass das gewählte Betreuungsmodell rechtlich korrekt umgesetzt wird und alle erforderlichen Vereinbarungen, Meldungen sowie Pflichten berücksichtigt werden.
Kann ich eine Betreuungskraft privat ohne Agentur suchen?
Ja. Bei einer privaten Suche sollten Sie besonders sorgfältig prüfen, ob die Betreuungskraft und das gewählte Modell zu Ihrer Situation passen. Klären Sie Aufgaben, Vertretung, Kommunikation, Vertragsgrundlage und notwendige Unterlagen vor Beginn der Betreuung.
Muss ich ohne Agentur selbst einen Vertrag vorbereiten?
Die Zusammenarbeit sollte schriftlich und nachvollziehbar geregelt werden. Welche Vertragsform geeignet ist, hängt insbesondere davon ab, ob die Betreuung selbstständig tätig ist oder direkt angestellt wird. Hinweise finden Sie im Artikel zu Rechten und Pflichten.
Was passiert bei Krankheit oder Urlaub der Betreuungskraft?
Ohne Agentur liegt die Ersatzorganisation grundsätzlich bei der Familie oder bei den Personen, die die Betreuung koordinieren. Deshalb sollte bereits vor Beginn ein konkreter Vertretungs- und Notfallplan bestehen.
Kann ich für 24-Stunden-Betreuung ohne Agentur Förderung erhalten?
Ja. Die Förderung hängt nicht davon ab, ob eine Agentur beteiligt ist, sondern von den gesetzlichen Voraussetzungen und vom Betreuungsmodell. Sie beträgt je nach Modell 400 bis 1.600 Euro pro Monat, setzt Pflegegeld ab Pflegestufe 3 voraus und wird beim Sozialministeriumservice beantragt. Alle Voraussetzungen und Schritte erklärt der Artikel zur Förderung der 24-Stunden-Betreuung.
Wie finde ich privat eine 24-Stunden-Betreuerin oder einen Betreuer?
Meist über Empfehlungen aus dem Umfeld, über Beratungsstellen oder Kontakte zu Betreuungskräften mit Erfahrung in der Region. Prüfen Sie persönlich Eignung, Qualifikationsnachweis, Vertragsgrundlage und Vertretungsmöglichkeit, bevor die Betreuung beginnt.
Kann ich eine Pflegerin aus der Slowakei ohne Agentur beschäftigen?
Die Herkunft der Betreuungskraft ändert nichts an den Grundfragen: Ob sie selbstständig tätig oder angestellt ist, ob ein Qualifikationsnachweis vorliegt und welche Meldungen und Vereinbarungen nötig sind. Klären Sie diese Punkte vor Beginn mit der Wirtschaftskammer, dem Sozialministeriumservice oder einer fachlichen Beratung.

Quellen

Quellen geprüft am: 2. Oktober 2026. Die Angaben dienen der allgemeinen Orientierung. Maßgeblich sind die Voraussetzungen und Entscheidungen der zuständigen Stellen im Einzelfall.