Pflegeurlaub in Österreich: Pflegefreistellung, Anspruch und Dauer

Wenn ein Familienmitglied plötzlich pflegebedürftig wird, brauchen Angehörige sofort Zeit — für Arzttermine, Behördengänge, die Organisation einer Betreuung. Beim Pflegeurlaub in Österreich geht es rechtlich um die Pflegefreistellung: eine bezahlte Auszeit von einer Woche pro Arbeitsjahr, auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch haben. Dieser Artikel erklärt, wer Anspruch auf Pflegefreistellung hat, wie lange sie dauert, wie sie bezahlt wird und was Sie nachweisen müssen. Für längere Auszeiten gibt es die Pflegekarenz, die wir in einem eigenen Ratgeber erklären.

Pflegeurlaub: Anspruch und Dauer im Überblick

Pflegefreistellung in Österreich: Anspruch auf Pflegeurlaub

Die Pflegefreistellung ist im Urlaubsgesetz (§ 16 UrlG) geregelt und wird im Alltag oft als „Pflegeurlaub" bezeichnet — auch wenn es rechtlich kein Urlaub ist, sondern eine bezahlte Freistellung. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer mit einem privatrechtlichen Arbeitsvertrag hat darauf Anspruch.

Pflegeurlaub für Angehörige: Wer ist berechtigt?

Wie lange?

Der Grundanspruch beträgt eine Woche pro Arbeitsjahr. Ist die erste Woche verbraucht und erkrankt ein im gemeinsamen Haushalt lebendes Kind unter zwölf Jahren neuerlich, besteht Anspruch auf eine weitere Woche Freistellung (§ 16 Abs. 2 UrlG), wenn Ihnen für diesen Zeitraum kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung wegen Dienstverhinderung aus wichtigen, in Ihrer Person gelegenen Gründen aufgrund anderer gesetzlicher Bestimmungen, Normen der kollektiven Rechtsgestaltung oder des Arbeitsvertrags zusteht. Das gilt auch für leibliche Kinder des Ehepartners, eingetragenen Partners oder Lebensgefährten im gemeinsamen Haushalt. Die Pflegefreistellung kann tageweise oder stundenweise genommen werden — nicht nur als ganze Woche. Der Anspruch gilt pro Arbeitsjahr und lässt sich bei mehreren Anlässen aufteilen.

Begleitfreistellung: Kind im Krankenhaus begleiten

Zur Pflegefreistellung zählt auch die Begleitfreistellung: Wird Ihr erkranktes Kind unter 10 Jahren stationär in einer Heil- und Pflegeanstalt (Krankenhaus) aufgenommen, können Sie es begleiten und dafür Pflegefreistellung nehmen (§ 16 Abs. 1 Z 3 UrlG). Sie gehört zum selben Grundanspruch von einer Woche pro Arbeitsjahr.

Wird sie bezahlt?

Ja, für die erste Woche läuft das Entgelt weiter: Laut oesterreich.gv.at ist es eine Dienstverhinderung aus wichtigen persönlichen Gründen, bei der das Entgelt weiterhin bezahlt wird. Das ist der wesentliche Unterschied zur Pflegekarenz, bei der das Pflegekarenzgeld das Gehalt ersetzt.

Was müssen Sie nachweisen?

Der Arbeitgeber kann einen Nachweis verlangen. Laut USP genügt dafür eine mündliche oder schriftliche Mitteilung oder ein ärztliches Attest. Verlangt er ein Attest, trägt er die Kosten.

Wenn die Auszeit länger dauert: Pflegekarenz und Pflegeteilzeit

Reicht eine Woche nicht aus, kommen Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit in Frage. Beide werden schriftlich für 1 bis 3 Monate mit dem Arbeitgeber vereinbart und setzen voraus, dass die pflegebedürftige Person Pflegegeld mindestens der Pflegestufe 3 bezieht (bei Demenz oder bei Minderjährigen genügt Pflegestufe 1). Statt des Gehalts gibt es das Pflegekarenzgeld des Sozialministeriumservice. Voraussetzungen, Antrag, Höhe des Pflegekarenzgeldes und die Frage nach dem AMS erklärt der Ratgeber Pflegekarenz in Österreich.

Familienhospizkarenz

Die Familienhospizkarenz ermöglicht die Begleitung sterbender naher Angehöriger oder schwersterkrankter Kinder, mit dem Pflegekarenzgeld als Einkommensersatz. Alle Details finden Sie im Ratgeber Familienhospizkarenz in Österreich.

Orientierung für Angehörige

Pflegefreistellung und Pflegekarenz sind Überbrückungsinstrumente — sie verschaffen Zeit, um eine dauerhafte Lösung zu organisieren. In der Praxis läuft das oft so ab: Nach einem Krankenhausaufenthalt braucht die pflegebedürftige Person sofort Betreuung zuhause. Ein Familienmitglied nimmt zunächst Pflegefreistellung, dann Pflegekarenz — und nutzt diese Wochen, um eine 24-Stunden-Betreuungskraft zu finden, Förderungen zu beantragen und den Alltag neu zu organisieren.

Weiterführende Informationen zu verwandten Themen:

Wie viel die 24-Stunden-Betreuung danach netto kostet — nach staatlicher Förderung und Pflegegeld — kann unser Kostenrechner als Orientierung zeigen.

Vergleich der Möglichkeiten

Pflegefreistellung, Pflegekarenz, Pflegeteilzeit und Familienhospizkarenz im Vergleich
InstrumentDauerArbeitszeitEinkommenAnsprechstelle
Pflegefreistellung (Pflegeurlaub)1 Woche pro Arbeitsjahrtage- oder stundenweiseGehalt läuft weiterArbeitgeber
Pflegekarenz1 bis 3 MonateArbeitsverhältnis ruhtPflegekarenzgeld (55 % des Nettoeinkommens)Arbeitgeber, Sozialministeriumservice
Pflegeteilzeit1 bis 3 MonateArbeitszeit reduziertTeilgehalt plus anteiliges PflegekarenzgeldArbeitgeber, Sozialministeriumservice
Familienhospizkarenzbis zu 3 bzw. 5 Monate, verlängerbarKarenz oder reduzierte ArbeitszeitPflegekarenzgeldArbeitgeber, Sozialministeriumservice

Häufige Fragen

Ist Pflegeurlaub dasselbe wie Pflegefreistellung?
Ja, im Alltag meint „Pflegeurlaub" die Pflegefreistellung nach dem Urlaubsgesetz. Rechtlich ist es kein Urlaub, sondern eine bezahlte Freistellung, die Ihren Urlaubsanspruch nicht verbraucht.
Wie viele Tage Pflegeurlaub stehen mir in Österreich zu?
Der Grundanspruch auf Pflegefreistellung beträgt eine Woche pro Arbeitsjahr, also so viele Arbeitstage, wie Sie pro Woche arbeiten. Bei einem neuerlich erkrankten Kind unter zwölf Jahren besteht unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine weitere Woche Freistellung (siehe Abschnitt „Wie lange?“).
Kann ich Pflegefreistellung auch für meine Eltern nehmen?
Ja. Eltern und Großeltern zählen als Verwandte in gerader Linie zu den nahen Angehörigen, ein gemeinsamer Haushalt ist nicht nötig. Für Schwiegereltern, Geschwister oder andere Personen besteht der Anspruch nur, wenn sie im gemeinsamen Haushalt leben.
Wer bezahlt den Pflegeurlaub?
Der Arbeitgeber: Für die erste Woche wird das Entgelt weiterbezahlt. Anders ist es bei der Pflegekarenz: Dort ersetzt das Pflegekarenzgeld des Sozialministeriumservice das Gehalt.
Welchen Nachweis brauche ich für die Pflegefreistellung?
Der Arbeitgeber kann einen Nachweis verlangen. Laut USP genügt dafür eine mündliche oder schriftliche Mitteilung oder ein ärztliches Attest. Verlangt er ein Attest, trägt er die Kosten.
Was ist die Begleitfreistellung?
Die Begleitfreistellung ist ein Fall der Pflegefreistellung: Sie können Ihr erkranktes Kind unter 10 Jahren bei einem stationären Aufenthalt in einer Heil- und Pflegeanstalt, etwa einem Krankenhaus, begleiten. Sie zählt zum Grundanspruch von einer Woche pro Arbeitsjahr (§ 16 Abs. 1 Z 3 UrlG).
Wie oft kann ich Pflegefreistellung im Jahr nehmen?
Der Anspruch besteht einmal pro Arbeitsjahr und kann auf mehrere Anlässe aufgeteilt werden, etwa in einzelne Tage oder Stunden. Nur bei einem neuerlich erkrankten Kind unter zwölf Jahren besteht unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine weitere Woche Freistellung.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegefreistellung und Pflegekarenz?
Die Pflegefreistellung ist eine kurzfristige, bezahlte Auszeit von einer Woche pro Arbeitsjahr. Die Pflegekarenz dauert 1 bis 3 Monate und wird mit Pflegekarenzgeld statt Gehalt abgegolten.

Quellen

Quellen geprüft am: 2. Oktober 2026. Die Angaben dienen der allgemeinen Orientierung. Maßgeblich sind die Voraussetzungen und Entscheidungen der zuständigen Stelle im Einzelfall.